Zwölf Millionen Ballon-Botschaften


Ostrohe - Luftballon-Herstellung rechnet sich zwar nur in Ländern, wo Gummibäume den Rohstoff Latex liefern - das Bedrucken der bunten Werbeträger lohnt sich jedoch auch in Deutschland. Diese Erfahrung hat Harald Köhn gemacht, Inhaber von "Nord-Ballon", der einzigen Firma in Schleswig-Holstein, die Luftballons in Werbeträgern verwandelt. Zwölf Millionen Luftballons werden in seiner kleinen Druckerei im Norden von Heide jährlich bedruckt. Große Häuser wie Ikea, Karstadt, aber auch Banken und Sparkassen bis hin zum kleinen Bäcker lassen ihre Werbeballons bei der Firma Nord-Ballon drucken.

Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Gewerbe hatte Harald Köhn, nachdem er mit seiner Werbeagentur immer wieder Ballons bei Fremdfirmen bedrucken ließ. Das kann ich selbst, dachte er und warb bei der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft um finanzielle Hilfe für eine Existenzgründung. Das war vor zehn Jahren. Heute liefert er bedruckte Luftballons nicht nur in alle Winkel Deutschlands, sondern auch nach Island, Norwegen, Schweden, Frankreich, Österreich und in die Schweiz. Jahresumsatz: zwei Millionen DM.

Alle zwei Jahre fährt Köhn nach Indonesien, um dort seine Lieferanten zu überprüfen und neue Luftballons zu ordern. "Metallicfarbene sind zur Zeit angesagt", berichtet Köhn. Ansonsten bietet er die ganze Ballon-Palette. Nicht nur Rundballons in den Standardfarben wie man sie aus eigenen Kindertagen kennt. Nein, inzwischen werden diverse Sonderfarben und -formen angeboten. "Allesamt umweltfreundlich und verrottbar", schwört Köhn. Sein grösster Ballon hat einen Durchmesser von 4,50 Meter. Bedruckt werden die Ballons mit Latex-Farbe. Der technische Ablauf wird von Harald Köhns Frau Ulrike organisiert - sie überwacht die speziellen Druckmaschinen. 15 Hausfrauen stehen ihr zur Seite. In Teilzeitarbeit spannen sie pro Stunde 12000 Ballons in eine der vier Maschinen ein. In aufgeblasenem Zustand erhalten die luftigen Werbeträger ihre Botschaft und kommen anschließend als schlaffe Latexbeutel wieder aus der Druckmaschine. Ein unansehnliches Produkt, daß mit einem herkömmlichen Wäschetrockner wieder in die rechte Form gebracht wird: Drei Minuten tümmeln und die Ballons sehen aus wie neu. Köhns sind nicht die einzigen, die diese simple Technik anwenden - auch die sechs deutschen Konkurrenz-Druckereien kennen den Tümmler-Trick.

Jüngstes Firmenmitglied ist zugleich jüngstes Familienmitglied: Sohn Stefan Köhn (23) gestaltet die Druckvorlagen am Computer. Ab und zu gibt es auch bei den Köhns Makulatur. Die falsch oder schlecht bedruckten Ballons werden natürlich nicht weggeschmissen, sondern werbewirksam 'entsorgt'. "Wir laden Kindergartengruppen aus der Gegend zu uns ein, und verschenken die Ballons", versichert Harald Köhn. "Und wenn Kieler Kinder Lust auf Luftballons haben, können sie sich auch bei uns melden". Na, wenn da kein Angebot ist.

KAREN OßOWSKI
Kieler Nachrichten vom: 02.09.98

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